Zeitzeuge berichtet über Jugend und Haft in der DDR

Im Rahmen des Geschichtsunterrichts hatten die Klassen 10a und 10b eine besondere Gelegenheit: Ein Zeitzeuge der DDR-Geschichte berichtete aus erster Hand von seinen Erlebnissen. Lutz, der als Jugendlicher mit dem politischen System der DDR nicht einverstanden war, erzählte eindrücklich von seinem gescheiterten Fluchtversuch und den harten Konsequenzen, die er dafür tragen musste.

Besonders eindrucksvoll für die Schülerinnen und Schüler war, dass Lutz bei seiner versuchten Republikflucht gerade einmal 16 Jahre alt war – genau in ihrem Alter. Er wollte der DDR entkommen, doch nur 200 Meter vor der Grenze wurde er entdeckt, mit Maschinenpistolen bedroht und verhaftet. Was folgte, waren mehrere Jahre Haft in verschiedenen Gefängnissen, darunter in Berlin, Magdeburg, Weimar, Halle und Untermaßfeld. Ein Gericht verurteilte ihn zu drei Jahren und sechs Monaten Gefängnis – eine harte Strafe für den Wunsch nach Freiheit.

Lutz sprach offen über die brutalen Bedingungen in den DDR-Gefängnissen. Er wurde geschlagen, gedemütigt und seelisch sowie körperlich misshandelt. Doch selbst nach seiner Entlassung blieb er unter strenger Kontrolle der Behörden. Er musste sich fünfmal pro Woche bei der Polizei melden, ein sogenannter Abschnittsbevollmächtigter besaß einen Generalschlüssel zu seiner Wohnung und konnte jederzeit unangekündigt eintreten. Zudem wurde er gezwungen, an Wahlen teilzunehmen, und durfte keine Besucher empfangen.

Die Schülerinnen und Schüler, die rund 20 Jahre nach dem Ende der DDR geboren wurden, hörten gebannt zu. Die 45 Minuten des Vortrags vergingen wie im Flug, und viele nutzten die Gelegenheit, Fragen zu stellen.

Der Besuch von Lutz machte deutlich, wie wertvoll die Freiheit ist, die heute oft als selbstverständlich angesehen wird. Seine Geschichte hinterließ tiefen Eindruck und zeigte, wie wichtig es ist, sich mit der Vergangenheit auseinanderzusetzen, um aus ihr zu lernen.